DKW in Südamerika

(Dieser Text ist noch in Arbeit und wird demnächst ergänzt, hoffentlich finden wir auch einige Bilder)

In Brasilien und in ganz Südamerika fanden DKW Automobile eine weiter Verbreitung. In Lizenz gefertig wurden nicht nur die Modelle, die auch in Deutschland produziert wurden; es gab ebenfalls auch speziell Südamerikanische Entwicklungen. Mehrere Sportwagen auf DKW-Basis wurden in Brasilien entwickelt. Der Weltrekord für zweitakt-getriebene Fahrzeuge in der 1000ccm-Klasse wird immer noch von einem Fahrzeug auf DKW-Basis aus Brasilien gehalten - mit beeindruckenden 104 PS und über 210 km/h.

Im Jahr 1945 wurde in São Paolo die Distribuidora de Automoveís Studebaker Ltda. gegründet. Sie begann als lokaler Vertrieb von Studebaker aus den USA, deren Fahrzeuge in Brasilien zusammengesetzt wurden. Nach der Fusion mit einer anderen Firma wurde der Betrieb 1952 in Veículos e Máquinas Agrícolas S.A., kurz VEMAG, (ungefähr zu übersetzen als Fahrzeuge und Maschinen für die Landwirtschaft AG) umbenannt. Zum Programm gehörten Anfangs neben den nordamerikanischen Automobilen auch  Scania Lastwagen und Fergusson Traktoren.

1956 kam der DKW F91 Universal auf den Brasilianischen Markt, der zuerst aus Teilen aus Deutschland zusammengesetzt, ab 1958 komplett von der VEMAG gefertigt wurde. Im gleichen Jahr wurde die Produktpalette der VEMAG um mehrere Fahrzeuge erweitert: der Candango (in Deutschland Munga) und Varianten des F94 - die Limousine Belcar (oder Grande DKW) und der Kombi Vemaguet (oder Perua Vemag). Die 900ccm-Motorblöcke dieser Fahrzeuge wurden in Brasilien gegossen, die ersten in Brasilien gegossenen Motoren. Ab 1959 wurden dann größeren Motoren mit 1000ccm Hubraum gefertigt.

Auf der Autoausstellung 1962 stellte die VEMAG dann eine Eigenentwicklung vor, mit der sie auf den Markt der Oberklasse-Fahrzeuge schielte: der VEMAG-DKW Fissore - ein Coupé mit einer Karrosserie von Fissore aus Italien, das im folgenden Jahr in Produktion ging. Insgesamt wurden etwa 2500 Stück dieses Fahrzeugs gebaut. Der Fissore besaß eine automatische Schmierung namens Lubrimat und konnte auf Wunsch mit der Saxomat Halbautomatik ausgestattet werden.

Im darauffolgenden Jahr 1963 wurde die Produktion des Candango (Munga) wieder eingestellt, vor allem da das Militär kein Interesse zeigte. Eine neue Variante des Kombis wurde vorgestellt, der Caiçara. Hauptunterschied zum Vorgängermodell war die Hecktür, nun eine einzige nach links aufgehende Tür anstelle von zwei Türen.

1964 besaß die VEMAG 4013 Mitarbeiter, die Produktionsfläche betrug 87.000m2. Die Fahrzeuge wurden fast komplett in Brasilien produziert.

Nachdem 1965 in Deutschland die Auto-Union (und damit DKW) von Volkswagen übernommen wurde, wurde auch in Brasilien die Produktion der DKWs heruntergefahren, um dann 1967 ganz beendet zu werden. Die VEMAG ging in Volkswagen do Brasil über, die Ära der in Brasilien hergestellten Zweitakter war damit zuende.

Die Fahrzeugmodelle der VEMAG

Die DKW Modelle der VEMAG basierten zum Teil auf Lizenzproduktionen aus Deutschland, aber es gab auch Eigenentwicklungen.

Grande DKW Vemag oder Belcar

1958 eingeführt, besaß der Grande DKW einen 900ccm Dreizylinder-Motor, ab 1959 dann einen 1000ccm Motor. Als Lizenzfertigung des F94 bot es als Viertürer Platz für bis zu 6 Personen. Seit 1961 wurde es auch under dem Namen Belcar vermarktet und wurde bis 1967 produziert.

Perua DKW oder Vemaguet

"Perua" ist auf brasilianischem Portugiesisch die Pute, kann aber auch einen Kombi bezeichnen. Eine gewisse Ähnlichkeit zu einem Truthahn kann man dem Auto nicht absprechen... Der Kombi wurde ebenfalls zwischen 1958 und 1967 produziert, verschiedene Modelljahre unterscheiden sich vor Allem im Öffnungssinn der Türen.

Caiçara und Pracinha

Zwischen 1963 und 1966 wurden diese populären Varianten des Kombis gebaut. Sie unterschieden sich im wesentlichen durch die weniger aufwändige Ausstattung, so besaßen sie zum Beispiel deutlich weniger Chromteile als der Vemaguet.

Candango

"Candangos" wurden die Arbeiter genannt, die die Hauptstadt Brasiliens - Brasilia - errichteten. Ihnen zur Ehre wurde der Munga in Brasilien als Candango vermarktet. Er wurde von 1958 bis 1963 gebaut, zu Anfangs nur mit Allrad-Antrieb, ab 1960 auch mit Heckantrieb erhältlich. Ursprünglich wurde er als "DKW-Jeep" beworben, nach Markenrechtsstreit mit Willis Overland do Brasil wurde dies jedoch eingestellt. Die Produktion wurde eingestellt, nach dem das brasilianische Militär kein Interesse am Candango zeigte.

Fissore

Der Fissore wurde auf dem Automobil-Salon 1962 vorgestellt, konnte jedoch erst Anfang 1964 verkauft werden. Insgesamt wurden bis 1967 2638 Exemplare verkauft, der Fissore galt als das schönste in Brasilien hergestellte Automobil. Der Motor des Fissore stammte aus der gleichen Produktion wie die Motoren der anderen VEMAG Modelle, besaß jedoch 60 PS anstelle der üblichen 50 PS. Dies wurde durch geschicktes Ausnutzen von Fertigungstoleranzen erreicht, Motoren die deutlich über 50PS auf dem Teststand lieferten, wurden im Fissore verbaut.

Sportwagen

In Brasilien wurden auch einige Sportwagen auf DKW Basis produziert, sowohl von der VEMAG als auch von Lumimari und Puma - letztere bauten noch auf VW Basis Sportwagen, die auch heute noch bekannt sind.

Anfang der 1960er baute der Anwalt Rino Malzoni in São Paulo einen Sportwagen auf Basis der DKW Mechanik. Ein Coupé mit zwei Sitzplätzen, der zuerst als DKW-Vemag GT benannt, auf den brasilianischen Rennstrecken auftauchte. Nach einiger Zeit wurde er mit einer Fiberglas-Karosserie ausgestattet und bekam den Namen Malzoni GT. Von dieser Version wurden etwa 30 Stück von Hand gefertigt. Nach einigen Modifikationen wurde der Malzoni als Puma GT von Puma Veículos e Motores gefertigt, von diesem Modell sind etwa 120 Stück belegt. Der Puma wurde nach 1967 weiterentwickelt und mit VW Vierzylinder-Motoren (GT VW und GTE VW) und General-Motors Sechszylindern bis 1985 (GTE/GTS, GTB, GTI, GTC) gefertigt.

1962 wurde aud dem Auto-Salon in São Paulo ein Prototyp namens Moldex MB vorgestellt. Ein Sport-Cabrio mit Fiberglas-Karosserie auf Basis eines DKW Vemag. Insgesamt wurden drei Prototypen hergestellt, er ging nie in Produktion.

Um einen Geschwindigkeitsrekord zu liefern wurde ein spezielles Exemplar eines DKW produziert, der DKW Carcará. Basierend auf einem DKW Chassis mit einem 1000ccm Motor erreichte dieser Wagen am 29. Juni 1966 auf einer Straße von Rio de Janeiro nach Santos die beeindruckende Geschwindigkeit von 212,903 km/h und hält damit noch immer den Rekord in dieser Klasse.

DKW in Brasilien heute

Heute scheint es eine größere Fangemeinde zu geben, der DKW Club do Brasil hat eine sehr informative Seite über die Geschichte DKWs in Brasilien (leider nur auf Portugiesisch). Im Foum des DKW Clubs sind etwa 300 Mitglieder registriert, es gibt ein jährliches Treffen mit dem passenden Namen "Die Blaue Wolke".

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