Die Anfänge

Ende des 19. Jarhunderts befand sich die Industrialisierung in vollem Schwung, der technische Fortschritt schien nicht aufzuhalten. In diese Zeit, genauer am 30. Juli 1878 wurde in Dänemark Jörgen Skafte Rasmussen geboren. Er absolvierte ein Ingenieursstudium in Mittweida und Zwickau. Nach dessen Abschluss arbeitete er für kurze Zeit bei der Rheinischen Maschinenfabrik in Düsseldorf, um dann aber 1902 wieder nach Sachsen zurückzukehren. In Chemnitz gründete er zusammen mit Carl Ernst eine offene Handelsgesellschaft Rasmussen & Ernst zum Vertrieb von Maschinen und Apparaten aller Art.

Im Jahre 1904 verließ Carl Ernst die Firma wieder und Rasmussen führte sie alleine weiter. Haupt-Einkommensquelle war der Vertrieb von Apperaten und Armaturen für Dampfmaschinen. 1906 erwarb Rasmussen in Zschopau eine ehemalige Tuchfabrik und begann mit der eigenen Fabrikation von Maschinen, Metallwaren und Armaturen. 1912 wurde die Fabrik umbenannt in Zschopauer Maschinenfabrik J.S. Rasmussen und im darauffolgenden Jahr folgte die juristische Trennung zur Handelsgesellschaft Rasmussen & Ernst.

Durch den Beginn des ersten Weltkrieges im August 1914 kam der Betrieb dann fast völlig zum Erliegen. Rasmussen gelang es, Militäraufträge zur Fertigung von Zündkapseln und Granatzündern zu bekommen. In Folge wurde die Fabrik erweitert und die Arbeiterzahl wuchs von etwa 150 im Jahre 1914 auf 480 darauffolgenden Jahr.

Dampf-Kraft-Wagen

Im Laufe des Krieges wurden Rohstoffe immer knapper, so auch das Benzin. Rasmussen, der jeden Tag von Chemnitz nach Zschopau in einem Wanderer 5/15PS fuhr, kam daher auf die Idee, Dampf-Automobile zu produzieren. Ein Studienkollege namens Matthiesen arbeitete vor dem Krieg bei den amerikanischen Automobilfirmen Stanley und Doble. Besonders Stanley war sehr erfolgreich mit Dampf-Automobilen, unter anderem wurde mit einem Rennmodell bereits 1908 ein Geschwindigkeitsrekord von 204 km/h erreicht (der übrigens erst in diesem Jahr - 2009 - von einem Dampf-Automobil gebrochen wurde).

Rasmussen gelang es, Matthiesen 1916 nach Zschopau zu holen und mit der Entwicklung eines Dampfkraftwagens zu beginnen. Erste Versuche waren nicht besonders erfolgreich, bis 1918 war es gelungen, ein Fahrzeug mit einer Reichweite von 90km und einer Leistung von etwa 30 bis 50PS zu bauen. Allerdings war dieses Fahrzeug immer noch weit entfernt davon, ein benutzbares Automobil zu sein. Mit dem Ende des ersten Weltkrieges kam die Entwicklung zum erliegen, 1921 wurde sie komplett eingestellt und alle noch vorhandenen Teile verkauft oder verschrottet. Das einzige was blieb, waren die drei Buchstaben DKW, die Rasmussen sich als Marke hatte eintragen lassen.

Des Knaben Wunsch

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges am 11. November 1918 stand die Firma Rasmussen vor einem Problem: die Zünder-Fertigung wurde mit sofortiger Wirkung eingestellt, die Subventionen zur Entwicklung des Dampfkraftwagens fielen weg. Für Rasmussen war diese Entwicklung jedoch keine Überraschung. Bereits im Sommer 1918 hatte er Kontakte zu Hugo Ruppe aufgenommen, der einen kleinen Zweitaktmotor entwickelt hatte. Dieser kleine Motor sollte als Ergänzung zum bisherigen Programm des Armaturen- und Apparatebaus dienen. Er war als Spielzeug- und Lehrmittelmotor gedacht, zum Antrieb von Dynamos, Nähmaschinen und kleinen Modellen. Vermarktet wurde dieser Motor unter dem Slogan Des Knaben Wunsch.

Das Reichsfahrtmodell

Parallel zum Lehrmittelmotor wurde auch ein größerer Motor entwickelt, der etwa 1PS leistete. Als Hilfsmotor für Fahrräder sollte er sich als erster Anfang der Motorradproduktion erweisen. Der Motor wurde zusammen mit dem Benzintank hinter dem Sattel angebracht, was später zur Bezeichnung "Arschwärmer" führte. Aufgrund eines begeisterten Ausspruches während einer der Probefahrten enstand eine weitere Interpretation der drei Buchstaben DKW: Das kleine Wunder. Hugo Ruppe verließ im Jahr 1921 das Werk wieder aufgrund Unstimmigkeiten zwischen ihm und Rasmussen.

Der Fahrradhilfsmotor wurde 1921 weiterentwickelt und war nun auf eine Leistung von 2,25PS vergößert worden. Der Motor wanderte von hinter dem Sattel nach vorne in das Rahmendreieck eines verstärkten Fahrrades. Mit diesem Modell, schon ein Leichtmotorrad, gelang ein überragender Erfolg der ADAC Reichsfahrt von Berlin nach Heidelberg. Dieses Modell ermöglichte es DKW, binnen 8 Jahren zum größten deutschen Motorradproduzenten zu werden.

DEW - Der Elektrowagen

1919 hatte Rasmussen in Berlin Rudolf Slaby kennengelernt, der einen elektrisch betriebenen Kleinstwagen entwickelt hatte. Rasmussen nahm diesen als Handelsartikel in das Programm seiner Firma auf. Auf Basis dieses elekrischen Mobiles wurde dann ein Modell entwickelt, das von einem kleinen, noch von Ruppe entwickelten Stationärmotor angetrieben wurde, der auf dem Trittbrett montiert war. Zwar wurde dieser Wagen über Annoncen angeboten, aber es kam nie zu einer Fertigung.

Slaby hatte zusammen mit Hermann Beringer die SB Automobilgesellschaft gegründet, an der Rasmussen zu einem Drittel beteiligt war. In den frühen 20er Jahren konnte diese Firma auch einige 100 Fahrzeuge pro Jahr bauen und verkaufen. 1923 wurde auf der Berliner Automobilausstellung bereits die dritte Generation des SB Elektrowagens vorgestellt, jetzt auch erhältlich mit einem DKW Zweitakt-Motor als Antrieb. 1924 musste die Firma jedoch aufgrund der Wirtschaftskrise Konkurs anmelden. Insgesamt wurden zwischen 1919 und 1924 2005 SB Wagen gebaut.

Rasmussen übernahm 1924 die SB Automobilgesellschaft komplett und benannte Rudolf Slaby zum Werksleiter. In Zusammenarbeit mit der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft (AEG) und der Akkumulatorenfabrik AG (AFA) wurde die Entwicklung einer Kleinkraftdroschke und eines Lieferwagens geplant. Hauptabsatzgebiet war Berlin, das Anfang der 20er Jahre eine große Anzahl von Elektrofahrzeugen aufwies. Bis 1928 sollen etwa 500 DEW Elektro-Fahrzeuge gebaut worden sein, dann wurde die Fertigung eingestellt.

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